Online Lernen | Deutsch Übungen | Textanalyse und Interpretation Lyrik Was sind die Merkmale verschiedener Gedichtformen?

Was sind die Merkmale verschiedener Gedichtformen?

Die Lyrik zeichnet sich durch eine Vielzahl an Gedichtformen aus. Wahrscheinlich hast du im Unterricht schon einige kennengelernt und hast festgestellt, dass es ganz unterschiedliche Formen gibt, aber auch Gedichte mit ähnlichen Merkmalen. In diesem Text erfährst du mehr über die verschiedenen Gedichtformen!

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Lyrik ist ein anderer Begriff für Dichtung in Versform. Neben der Lyrik gibt es noch zwei weitere Kategorien der Literatur: die Epik und die Dramatik.

Die nachfolgenden Beschreibungen der Gedichtformen beinhalten bestimmte Merkmale, nach denen sich einzelne Gedicht sortieren lassen. Diese Merkmale können auch als Vorgaben verstanden werden, wonach der Autor des Gedichtes sein Werk gestaltet hat. Diese Vorgaben bestimmen beispielsweise die Länge, die Anzahl der Verse und Strophen sowie auch das Versmaß und das Reimschema.

Nicht nur von der äußeren Form her, kannst du Gedichte kanonisieren, sondern auch hinsichtlich des Themas.

Merke

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Gedichtformen geben eine Auskunft über die formale sowie inhaltliche Gestaltung des Gedichts.

Gedichtformen und ihre Merkmale

Nun möchte ich dir einzelne ausgewählte Gedichtformen vorstellen und ihre Merkmale präsentieren:

Akrostichon

Diese Gedichtform erkennst du, wenn die einzelnen Anfangsbuchstaben, die ersten Silben oder ganze Wörter aufeinanderfolgender Verszeilen oder auch Strophen in ihrem Zusammenhang einen eigenen Satz oder eine Sinneinheit ergeben. Dabei muss sich das Gedicht nicht reimen.

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Der Begriff stammt aus der griechischen Sprache: "akros"= das Äußerste/ das Oberste und "stichos"= Vers/ der erste Buchstabe eines Verses.

Schau dir dazu folgendes Beispiel an:

Beispiel

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Ganz im Sinne der Kunst

Erscheint ein Gedicht immer anders.

Du erkennst es nicht immer nur am Äußeren,

Inhaltlich zeigt es sich auch besonders.

Chaotisch oder ruhig,

Heiter oder traurig,

Trifft das Gedicht dein Herz.

Ein wichtiges Stilmittel ist, wie du erkennen kannst, dass das resultierende Wort zu dem Thema des Gedichts passt. In diesem Beispiel haben wir das Wort "Gedicht" thematisiert.

Ballade

Eine Ballade ist eine Gedichtart, die nicht unbedingt eine metrische Form hat, aber doch in Strophen aufgeteilt sein kann. Häufig sind es drei bis sechs Strophen, die gereimt sein können.

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Das Metrum ist das Versmaß: Es zeigt, welche Silben betont oder unbetont sind. 

In der Ballade wird meist knapp eine Erzählung eines außergewöhnlichen Ereignisses skizziert, welches häufig mit einem tragischen Ende schließt.

Das besondere Merkmal dieser Gedichtform ist, dass sie eine Mischform zwischen den drei literarischen Gattungen ist: sowohl epische, lyrische als auch dramatische Elemente kommen in ihr vor.

Beispiel

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Bekannte Beispiele sind:

  • Der Erlkönig (Goethe)
  • Die Bürgschaft (Schiller)
  • Nis Randers (Ernst)

Chant royal

Eine Sonderform der französischen Ballade ist das Chant royal (Königsgesang). Dieses wird aus fünf elfzeiligen Strophen gebildet, die häufig je aus zehnsilbigen Versen bestehen. Diese folgen dem Schema ababccddedE und werden durch eine Schlusstrophe (ddede) abgerundet. Eine weitere Besonderheit erkennst du daran, dass alle Strophen dabei auf den gleichen Vers (E) enden.

Elegie

Ursprünglich galten Elegien als Trauergesang mit Flötenbegleitung. Elegien sind Gedichte mit klagendem/ wehmütigem Charakter. Formal erkennst du diese Gedichtform daran, dass es ausschließlich in Distichen verfasst ist.

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Distichen sind Zweizeiler, welche aus einem Hexameter und einem Pentameter gebildet wird. 

Beispiel

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Beispiele für bekannte Elegien sind: 

  • Der Gang aufs Land (Hölderlin)
  • Der Wanderer (Hölderlin)
  • Amores (Ovid)
  • Spaziergang (Schiller)

Elfchen

Das Elfchen kennst du wahrscheinlich noch aus deiner frühen Schulzeit. Der Begriff Elfchen bezieht sich auf sein Format, denn dieses Gedicht besteht nur aus elf Wörtern, die innerhalb von fünf Versen verteilt immer mehr werden. Der erste und letzte Vers besteht aus nur einem Wort. Der inhaltliche Aufbau kann variieren.

Eine bekannte Methode des Aufbaus zeige ich dir nun:

Methode

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Der erste Vers besteht aus einem Nomen, der zweite Vers beschreibt dieses Wort mit zwei Wörtern genauer. Der dritte Vers besteht aus drei Wörtern, die angeben, was das Nomen tut. Der vierte Vers zeigt einen allgemeinen Gedanken oder einen Fakt zum Thema auf und der letzte Vers bildet ein Fazit des Gedichts.

Häufig wird das Gedicht in der Schule als eigene Übung verwendet. Dabei kann es dir helfen, Gedanken zu sortieren (Brainstorming) oder dich bezüglich eines Themas kreativ auszudrücken.

Beispiel

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Gedichte,

sind vielfältig,

haben viele Formen

nicht nur inhaltlich variabel,

Kunstwerk.

Epigramm

Epigramme waren ursprünglich kurze Inschriften auf Gräbern, Gebäuden oder auch Geschenken. Daraus entwickelte sich allmählich eine eigenständige Gedichtform

Merke

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Charakteristisch ist seine Kürze, da es häufig nicht mehr als nur vier Verszeilen hat. Du erkennst es inhaltlich entweder als eine Art Sinngedicht, welches zuspitzend einen Gedanken wiedergibt oder als ein Spottgedicht, welches Personen oder Gruppen verspottet.

Glosse

Diese Gedichtform musst du vom Begriff der Glosse abgrenzen, welche eine journalistische Textsorte bezeichnet.

Als lyrisches Genre bezeichnet es im Unterschied eine spanische Gedichtform, die besonders in der Zeit der Romantik benutzt wurde.

Merke

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Inhaltlich thematisiert die Glosse meistens einen philosophische oder erotischen Inhalt, formal besteht sie aus vier Strophen zu je zehn Versen. Die Glosse erkennst du an ihrem Reimschema, welches wie folgt aufgebaut ist: abbaaccddc.

Eine weitere Besonderheit ist, dass der Glosse ein Motto vorangeht. Also ein kurzer und knapper Leitgedanke. Dieser wird in den nachfolgenden Strophen aufgegriffen. Das zielt darauf, dass die Schlussverse der Abschnitte das eigentliche Motto ergeben.

Methode

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Schau dir beispielsweise die Glosse von Ludwig Uhland an. Daran wirst du die genannten Merkmale sicherlich erkennen.

Hymne

Die Gedichtform der Hymne hat keine feste Form, sodass du sie eher an ihrem Inhalt erkennen kannst. In ihr findet eine festliche Preisung statt, in der häufig eine Gottheit besungen wird. Dies geschieht in freien Versen.

Es gibt aber auch Hymnen, die Ortschaften, real existierende Personen, einen Umstand oder eine Emotion besingen.

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Eine Hymne ist ein Lobgesang

Beispiel

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Bekannte Hymnendichter sind 

  • Goethe
  • Hölderlin
  • Klopstock
  • Novalis

Lehrgedicht

Wie du schon am Begriff erkennst, hat das Lehrgedicht die Intention, moralisch beziehungsweise lehrhaft zu sein. Dabei ist das Gedicht thematisch nicht beschränkt, so kann es Kultur, Gesellschaft, Literatur oder an Natur thematisieren.

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Lehrgedichte beinhalten eine Lehre und sind dabei thematisch nicht beschränkt.

Das häufig genutzte Versmaß ist der Hexameter, aber auch Lehrgedichte in Distichen oder in jambischen Versmaßen kannst du finden. Die Anzahl der Strophen und ihre Verse sind dabei nicht beschränkt.

Lied

Die Gedichtform des Liedes ist uns im Alltag präsent: Schalte nur mal das Radio an. Diese Gedichtform ist musikalisch untermalt oder wird gesungen. Wie du sicher weißt, in Strophen gegliedert, weist einen einfachen Sprachgebrauch auf. Es kann sich reimen, muss aber nicht und oftmals wird die Abfolge der Strophen durch eine wiederkehrende Strophe unterbrochen -nämlich durch einen Refrain.

Moderne Beispiele brauche ich dir dafür sicherlich nicht geben. 

Ode

Die Ode "An der Freude" von Friedrich Schiller ist wahrscheinlich nicht nur eines seiner berühmtesten Gedichte, sondern auch einer der bekanntesten Oden. Oden sind Gedichte, die etwas lobpreisen wollen.

Sie sind in Strophen gegliedert und weisen normalerweise kein festes Reimschema auf.

Um die Würde und Größe des in der Ode behandelten Themas zu preisen, wird meistens ein hoher schon fast pathetischer Sprachstil verwendet. 

Methode

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Hör dir mal Beethovens Vertonung von Schillers Gedicht an. Du wirst dabei ganz sicher merken, dass die Ode etwas anpreist.

Beispiel

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Weitere Beispiele für berühmte Oden sind:

  • Der Zürchersee (Klopstock)
  • Prometheus (Goethe)
  • An die Parzen (Hölderlin)

Sonett

Das Sonett ist ein vierzehnzeiliges Gedicht, das aus jeweils zwei vierzeiligen (Quartette) und zwei dreizeiligen Strophen (Terzette) besteht. Eine Besonderheit liegt darin, dass alternierende Versmaße benutzt werden. Das bedeutet, dass eine abwechselnde Hebung und Senkung im Versmaß stattfindet. Häufig findest du dabei den Jambus. In seinem Reimschema findet man typischerweise im Quartett einen umarmenden Reim und in den Terzetten die folgende Muster: cdc/dcd, cde/cde oder ccd/eed

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Der Jambus ist ein Versmaß, bei dem eine betonte und eine unbetonte Silbe sich abwechseln.

Typischerweise findest du eine inhaltliche Strukturierung, die im ersten Quartett eine These aufzeigt, im zweiten Quartett eine Antithese dagegen stellt und in den Terzetten eine Synthese präsentiert. Andere italienische Sonette folgen dem konträren Aufbau, indem in den Quartetten eine These aufgeführt wird und in den Terzetten eine Antithese dagegen gestellt wird.

Diese Auflistung der verschiedenen Gedichtformen ist nicht vollständig, sondern gibt dir nur einen groben Überblick über besondere Gedichtformen, die du häufig im Unterricht antriffst. Die Lyrik mit ihren unterschiedlichen Formen ist ein spannendes Thema. Vielleicht haben wir dein Interesse geweckt, nach weiteren Gedichtformen zu recherchieren oder dir einzelne Gedichte näher anzuschauen.

Teste dein neues Wissen an unseren Aufgaben. Viel Spaß dabei!

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