Online Lernen | Deutsch Übungen | Textanalyse und Interpretation Epik Erzähler und Erzählverhalten - auktorialer Erzähler und mehr

Erzähler und Erzählverhalten - auktorialer Erzähler und mehr

Das besondere Merkmal, das die Epik von den anderen literarischen Gattungen unterscheidet, ist der Erzähler bzw. die Erzählerin. Der Erzähler/die Erzählerin muss von dem Autor selbst streng unterschieden werden, denn er oder sie ist eine fiktive Figur, die dem Leser die Geschichte präsentiert und zu der Welt der erzählten Geschichte gehört. So kann ein erwachsener Autor zum Beispiel die Geschichte von einem Kind erzählen oder ein Mann die Geschichte von einer Frau.

Gut zu wissen

Hinweis

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Fiktiv bedeutet erfunden oder erdacht

Ein Teil der Interpretation von epischen Texten ist die Berücksichtigung des Erzählers. Es gibt verschiedene Möglichkeiten des Erzählverhaltens: Zum einen kann der Erzähler in der Er-Erzählung, zum anderen in der Ich-Erzählung auftreten.

Wir unterscheiden zwischen zwei verschiedenen Erzählern: Er-/Sie-Erzähler und Ich-Erzähler

Er-/Sie-Erzähler

In der Er-/Sie-Erzählung spielt der Erzähler selbst keine Rolle für die Handlung, sondern erzählt lediglich die Geschichte anderer Figuren. Somit erscheint er nicht als eigenständige, ausgestaltete und beschreibbare Figur und der Leser erfährt meistens nichts über seinen Charakter und sein Leben. Der Er-/Sie-Erzähler stellt lediglich eine Art Vermittler der Geschichte dar und tritt meist nur in Form von Kommentaren zum Erzählten in Erscheinung. Daher liegt die Gefahr nahe, den Erzähler mit dem Autor zu verwechseln. Aber auch, wenn der Erzähler nicht als charakterisierbare Figur in Erscheinung tritt, ist er dennoch als ein vom Autor eingesetztes Medium zu begreifen und muss analysiert werden. 

Der Erzähler kann auf unterschiedliche Weisen konzipiert sein. Mit einem auktorialen Erzählverhalten tritt er für den Leser deutlich in Erscheinung, der personale Erzähler dagegen zieht sich dagegen so weit zurück, dass er kaum noch bemerkt wird. Schauen wir uns das einmal genauer an: 

Auktorialer Erzähler 

Beim auktorialen Erzählverhalten tritt der Erzähler deutlich in Erscheinung und mischt sich in das Geschehen ein, indem er Handlungen kommentiert, Vergangenes nachträgt oder auf Zukünftiges verweist. Somit kommuniziert er mit dem Leser, kann ihm Erklärungen geben oder ihn sogar direkt ansprechen. Auch Reflexionen und Urteile lässt der auktoriale Erzähler gelegentlich einfließen. Dem Geschehen selbst steht er distanziert gegenüber: Auktoriales Erzählen wird auch allwissendes Erzählen genannt, denn das Erzählen geht nicht nur von einer Person aus, sondern ein allwissender Erzähler blickt auf das ganze Geschehen und alle Personen gleichermaßen. Er kennt alle Details der Geschichte und der Personen, weiß, was sie denken und fühlen, und kann Zusammenhänge aufstellen. 

Personaler Erzähler

Beim personalen Erzählverhalten macht sich der Erzähler kaum bemerkbar. Er mischt sich nicht durch Kommentare usw. in das Geschehen ein und kommuniziert nicht mit dem Leser. Ein personaler Erzähler übernimmt weitestgehend den Blickwinkel einer Person, kann aber auch innerhalb der Geschichte abwechselnd in verschiedene Personen und deren Perspektive wechseln. Die Perspektive und der Horizont des Erzählers sind damit auf den Erfahrungsbereich der entsprechenden Figur beschränkt, womit auch der Leser das Geschehen ebenso nur aus dieser beschränkten Perspektive erfährt und nicht über den Kenntnisstand der Perspektivfigur hinauskommt. Damit geht einher, dass der Leser nur insoweit an den Geschehen teilnimmt, als die Erzählfigur daran beteiligt ist. Ebenso werden nur ihre Gefühle und Gedanken offenbar.

Neutraler Erzähler 

Das neutrale Erzählen ist eine Sonderform des personalen Erzählens, denn der personale Erzähler nimmt nicht den Standort und die Perspektive einer einzigen Figur ein, sondern beschreibt das Geschehen aus dem Blickwinkel einer Filmkamera. Ein neutraler Erzähler zeichnet sich dadurch aus, dass er weder aus der Sicht einer Person erzählt noch durch Kommentare oder andere Formen in die Geschichte eingreift. Er nimmt sich also völlig zurück und beschreibt bzw. berichtet Fakten und Vorgänge sachlich und objektiv. Das Erzählen kann demnach einfach darin bestehen, dass Gespräche von Figuren ohne Zwischenbemerkungen wiedergegeben werden (szenisches Erzählen). 

Der Ich-Erzähler

Die Figur, die sich in der Geschichte mit „ich" bezeichnet, nennt man den Ich-Erzähler. Der Ich-Erzähler erscheint gleichzeitig als erlebende und erzählende Figur, sodass wir noch einmal zwischen dem erlebenden Ich und erzählendem Ich unterscheiden. Das erlebende Ich ist zeitlich verstrickt in das erzählte Geschehen, sodass er unmittelbar aus der Situation heraus erzählt. Das erzählende Ich hat größeren Abstand zum Geschehen und blickt erst später mit einem zeitlichen Abstand auf das Geschehen zurück und erzählt davon. Je nachdem, in welchem zeitlichen Abstand sich der Erzähler zum Erzählten befindet, spricht man von einem eher auktorialen und einem eher personalen Erzähler:

Steht das erzählende Ich zu dem Erlebten in einem größeren zeitlichen Abstand und erzählt erst später, was es einst erlebt hat, überblickt es große Teile des Geschehens und kann kommentierend und deutend in seine Darstellungen eingreifen. Zwar bleibt der Blickwinkel dennoch begrenzt auf eine Person, doch zeigen sich hier Ansätze eines auktorialen Erzählers. 

Der eher aus einem personalen Erzählverhalten berichtende Ich-Erzähler hat weder Distanz zum Geschehen noch einen überlegenen Standort. Der Leser ist auf die beschränkte Sicht des erlebenden Ichs angewiesen. 

Jetzt hast du schon Vieles zum Erzähler und Erzählverhalten gelesen. Dein Wissen kannst du mit unseren Aufgaben testen. Dabei wünschen wir dir viel Spaß

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Dein Autorenteam für Deutsch: Hannah Poqué und Christina Albrecht

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