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Schulstress gegen Freizeitstress

Schulstress oder Freizeitstress - was ist die Ursache für die Überforderung von Schülern?Nicht nur Schüler beklagen sich über zu hohen Schulstress durch zu viele Hausaufgaben und Vorbereitungen auf Klassenarbeiten und Prüfungen. Auch vonseiten der Eltern ist immer wieder zu hören, dass die Kinder mit dem zu Hause zu erledigenden Lern- und Aufgabenpensum überfordert seien und die Aufgaben zu viel Zeit kosteten. Lehrer wiederum bemängeln, dass die Schüler ihre Hausaufgaben nicht ernst nähmen und oft nur schlampig oder auch gar nicht erledigten und nicht der Schulstress zu hoch sei, sondern vielmehr der Freizeitstress.

Bürden Lehrer ihren Schülern zu viel auf?

Schulstress durch zu viele Hausaufgaben

Kinder haben zu viele Freizeitaktivitäten. Die Hausaufgaben verkommen deswegen zur Nebensache und werden oft auf die Schnelle nebenbei erledigt. Darüber sind sich meine Lehrer-Freundinnen alle einig – zumindest in Bezug auf die Kinder, die sie unterrichten.

Ihnen ist klar, dass Kinder und Jugendliche es besser finden, keine Hausaufgaben machen und zu Hause nicht lernen zu müssen. Das sei ganz normal. Sie kritisieren die Eltern, die sich über den enormen Schulstress und die „Unmengen“ an Hausaufgaben in den einzelnen Fächern beschweren, die dem Kind keinerlei Freizeit mehr ließen. „Alles Quatsch!“, meinen meine Lehrer-Freundinnen. Es gebe nicht zu viele Hausaufgaben und der Schulstress hielte sich in Grenzen. Im Klassenbuch notiere jeder Lehrer seine Hausaufgaben und alle würden darauf achten, den maximalen Zeitaufwand für die zu Hause zu erledigenden Aufgaben nicht zu überschreiten. Problem sei vielmehr die Vielzahl an nachmittäglichen Aktivitäten und Terminen der Kinder und Jugendlichen, die keine Zeit mehr für die Hausaufgaben ließen: Musikschule, Sportverein, Logopädie, Theatergruppe, Chor … Muss das sein?

Freizeitstress durch zu viele Hobbys

Eltern wollen, dass ihre Kinder sich optimal entwickeln. Sie möchten ihnen die bestmögliche Unterstützung für ein erfolgreiches Leben mit auf den Weg geben. Was dafür alles notwendig ist, wird ihnen von unterschiedlichsten Seiten klargemacht: Unternehmen, Institutionen und Vereine überzeugen mittels geschicktem Marketing von ihren Produkten und Dienstleistungen, Freunde, Bekannte und Verwandte üben sozialen Druck aus, wenn es darum geht, welche Kurse, Angebote und Therapien das Kind wahrzunehmen hat. Wer nicht mitmacht, erntet oft nicht nur Unverständnis, sondern steht als Rabeneltern verschrien auch im sozialen Abseits, was dann auch die Kinder bei ihren Altersgenossen zu spüren bekommen.

Einhellige Meinung meiner Lehrer-Freundinnen: Auch für die Schule muss genügend Zeit da sein. Man muss nicht jedes Angebot, das Eltern als unabdingbar für die Entwicklung des Kindes dargestellt wird, wahrnehmen. Lernen ist wichtiger für den späteren beruflichen Erfolg und ein gesichertes Leben als so manche Freizeitaktivität

Die Mischung macht’s

In der Frage nach Art und Umfang der Freizeitaktivitäten von Kindern und Jugendlichen gibt es kein grundsätzliches Richtig oder Falsch. Es kommt auf das Kind an, wie viele Aktivitäten es meistern kann, ohne dass die Schule darunter leidet und der Stress zu groß wird. Ärztlich verordnete Therapien sind natürlich notwendig. Sport, Musik und andere Aktivitäten sind für viele Kinder und Jugendliche ein wichtiger Ausgleich zum Schulalltag.

Wichtig ist, dass die Termine den Kindern Spaß machen. Wenn die Tochter nur widerwillig zum Geigenunterricht geht und keinerlei Vorankommen zu bemerken ist oder wenn der Sohn jedes Mal vor dem Fußballtraining Bauchschmerzen hat, weil er ständig über den Ball stolpert und von allen ausgelacht wird, ist es wenig sinnvoll, sein Kind dorthin zu schicken. Gleichzeitig gilt: Es sollte nicht allzu viele fixe Termine in der Woche geben. Die Kinder sollten genügend Zeit zu Hause verbringen, um in Ruhe Hausaufgaben machen oder lernen zu können und dabei auch noch ausreichend Freizeit ohne irgendwelche Termine und Verpflichtungen haben. Dann kommt auch kein Schulstress auf.

Und wie sieht es bei den Kindern meiner Lehrer-Freundinnen aus? Sabines Grundschulsohn Max geht zweimal in der Woche zum Fußballtraining, einmal zum Karate – das ist gerade Trend in Max Klasse – am Wochenende sind oft Turniere oder Wettkämpfe. Einmal in der Woche hat Max Klavierunterricht in der städtischen Musikschule. Mittwochs ist immer Kindertreff in der Kirche und Kommunionunterricht ist aktuell auch noch. Max hat zwei jüngere Geschwister. Sein Bruder geht zum Schwimmen, lernt Blockflöte und muss zur Ergotherapie. Seine Schwester macht Ballett und hat Geigenunterricht. Auch bei den Terminen seiner Geschwister immer im Schlepptau: Max. Sabine fährt ihre Kinder zu allen Terminen mit dem Auto, weil sie zu klein sind, um allein dorthin zu gehen oder die Veranstaltungsorte zu weit weg sind. Sie will keines der Kinder allein zu Hause lassen, deshalb müssen immer alle mit. Die Termine der Kinder grenzen meist direkt aneinander, sodass auch gar keine Zeit wäre, noch einmal nach Hause zu fahren.

Bei den Kindern der anderen Freundinnen sieht es nicht viel anders aus. Und was sagen sie als Mütter – und nicht als Lehrerinnen – zum Thema Hausaufgaben: Die Lehrer geben einfach viel zu viele Hausaufgaben auf! Wann sollen die Kinder die denn alle machen?

2 Kommentare zu “Schulstress gegen Freizeitstress”

  1. Von Thomas Momotow am Jan 30, 2014

    Sehr schön die ironische Distanz. Ich frage dann mal meine Fußballtrainerfreunde, Musikinstrumente-Freunde, Logopädiefanclubs und Ergotherapie-Unterstützergruppen.

    • Von Nina Steincke am Feb 3, 2014

      Ja! Es ist bestimmt spannend zu erfahren, was alle Beteiligten aus ihrer jeweiligen Sicht zu dem Thema sagen.

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