Servicezeiten Mo-Fr 08:00 - 20:00 Uhr.
WhatsApp schreiben
Was ist ADHS? – Kinder mit ADHS neigen zu Unaufmerksamkeit, sind oft hyperaktiv und impulsiv

ADHS – Hilfe bei Konzentrationsschwäche

Es ist nicht ungewöhnlich, dass Kinder im Unterricht manchmal unkonzentriert sind, gelegentlich zappeln oder einen gesteigerten Bewegungsdrang in der Pause zeigen. Bemerken Sie jedoch, dass die Konzentrationsschwäche Ihres Kindes besonders stark ausgeprägt ist und die Probleme langfristig bestehen, könnte ADHS die Ursache sein. Aufmerksamkeitsdefizite beeinträchtigen die betroffenen Kinder in alltäglichen Situationen und in der Schule. Zudem wird ADHS häufig von Lernstörungen begleitet, die den Schulalltag zusätzlich erschweren.

In diesem Artikel zeigen wir Ihnen daher, wie Sie ADHS erkennen können und wie diese Verhaltensstörung bei Kindern behandelt werden kann.

Was ist ADHS?

Die Abkürzung ADHS steht allgemein für „Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung“, während bei Fällen ohne starke körperliche Unruhe auch die Abkürzungen „ADS“ oder „AD(H)S“ gebräuchlich sind. Ein Aufmerksamkeitsdefizit kann mit oder ohne stark ausgeprägte Hyperaktivität auftreten, ist aber in jedem Falle von einer Konzentrationsschwäche geprägt. Durch das Fehlen eines auffälligen hyperaktiven Verhaltens bleibt ADS oft länger unentdeckt.

In der Klassifikation ICD-10 der Weltgesundheitsorganisation wird ADHS zu den hyperkinetischen Störungen gezählt. Die dort aufgeführten Störungen werden durch mangelhafte Ausdauer, Sprunghaftigkeit, Unachtsamkeit, körperliche Unruhe und Impulsivität gekennzeichnet. Daher werden neben ADHS seltener die Bezeichnungen „hyperkinetische Störung“ oder „hyperkinetisches Syndrom“ verwendet.

Typische ADHS-Symptome wie ein gestörtes Aufmerksamkeitsvermögen oder körperliche Unruhe wurden früher meist als Auffälligkeit angesehen, die durch falsche Erziehung begünstigt wurde. Heute wird ADHS als Verhaltensstörung verstanden, die durch unterschiedliche biologische und neurologische Faktoren verursacht wird. Die Störung ist bei weitem keine Seltenheit. Experten gehen davon aus, dass in Deutschland etwa 5 bis 6 % der Kinder und Jugendlichen zwischen 3 und 17 Jahren von ADHS betroffen sind (Quelle: ADHS Deutschland e.V.). Damit zählt ADHS in dieser Altersgruppe zu den häufigsten psychiatrischen Erkrankungen.

ADHS Ursachen

Biologische Faktoren sowie Umwelteinflüsse können dazu beitragen, dass Kinder ADHS entwickeln. ADHS ist eine Verhaltensstörung, für die weder Sie noch Ihr Kind selbst verantwortlich sind. Daher können die Symptome der Aufmerksamkeitsstörung auch nicht ausschließlich auf Erziehungsfehler zurückgeführt werden. Stattdessen nehmen Forscher heute an, dass es sich bei ADHS um eine neurobiologische Störung handelt. Zudem geht man davon aus, dass genetische Faktoren für die Entwicklung von ADHS ausschlaggebend sind.

Bei betroffenen Personen erscheinen die Neurotransmitter wie Serotonin, Dopamin und Noradrenalin beeinträchtigt zu sein, wodurch wiederum die Signalübermittlung im Hirn gestört wird (Quelle: ADHS Deutschland e.V.). Bei Personen mit ADHS sind die Hirnregionen, die für die Aufmerksamkeit und die Steuerung des Verhaltens zuständig sind, weniger aktiv. Insgesamt führen diese Funktionsstörungen dazu, dass sich Kinder mit ADHS nur schwer auf bestimmte Prozesse und Aufgaben konzentrieren können. Daher werden die Aufmerksamkeit, die Fähigkeit zur Informationsverarbeitung und die Feinmotorik beeinflusst.

Zu diesen Faktoren kommen zudem Umwelteinflüsse, die ADHS zwar nicht verursachen, aber doch den Verlauf und die Schwere der Krankheit beeinflussen können. Ein übermäßiger Medienkonsum, Mangel an ausreichender Bewegung oder ein ungeeigneter Erziehungsstil können die Symptome der ADHS verschlimmern. Bleibt ADHS unerkannt, bestehen die Schwierigkeiten bis ins Erwachsenenalter.

ADHS Symptome – Woran lässt sich ADHS erkennen?

Früher wurden Kinder mit klassischen ADHS Symptomen wie körperlicher Unruhe und verminderter Konzentration häufig als Zappelphilipp oder Träumer bezeichnet. Unbändige Energie oder Verträumtheit allein führen allerdings nicht unbedingt zu einer ADHS-Diagnose. Viele Kinder sind von Zeit zu Zeit sehr unruhig, können sich manchmal nicht auf ihre Aufgaben konzentrieren oder handeln impulsiv. Daher sind vor allem die Ausprägung und die Dauer der ADHS-Anzeichen ausschlaggebend, um eine klare Diagnose stellen zu können. Wenn die Symptome langfristig auftreten und Ihr Kind schwerwiegend beeinflussen, liegt der Verdacht auf ADHS nahe.

Das Krankheitsbild der Aufmerksamkeitsstörung ist sehr komplex. Deshalb werden ADHS-Symptome häufig in drei Gruppen eingeteilt:

  • Unaufmerksamkeit: Dieser Aspekt der ADHS ist durch Konzentrationsschwäche und Aufmerksamkeitsdefizite charakterisiert.
  • Hyperaktivität: In diese Untergruppe fallen Anzeichen wie körperliche bzw. motorische Unruhe und gesteigerte Aktivität.
  • Impulsivität: Kinder mit ADHS neigen zu Ungeduld und handeln oft unbedacht oder leichtfertig.

ADHS-Anzeichen machen sich im Alltag und bei schulischen Aufgaben bemerkbar. In folgenden Situationen können Sie Hinweise auf ADHS erkennen:

  • In Gesprächen sind betroffene Kinder unaufmerksam und hören nicht genau zu.
  • Sie lassen sich leicht durch umgebende Reize ablenken und verfügen über mangelhafte Konzentration.
  • Kinder mit ADHS neigen zu Rastlosigkeit und körperlicher Unruhe. Ihre Handlungen können sprunghaft sein und schnell wechseln.
  • Durch ihr hyperaktives und häufig ungeschicktes Verhalten ist ihr Unfallrisiko erhöht.
  • Sie verfügen häufig nur über eine geringe Frustrationstoleranz, sind leicht reizbar, und können zu aggressivem Verhalten neigen.
  • Durch ihr oftmals unberechenbares Verhalten haben Kinder mit ADHS häufig Schwierigkeiten, langwierige Freundschaften aufzubauen.
  • Im Klassenverband fallen sie mitunter durch störendes Verhalten auf.

Betroffene Kinder machen häufig Flüchtigkeitsfehler oder übersehen Details in Aufgabenstellungen. Sie haben Schwierigkeiten bei der Planung und Strukturierung von Aufgaben. Da sie sich nicht ausdauernd und intensiv auf ihre Aufgaben konzentrieren können, fallen sie im Unterricht mitunter hinter ihren Klassenkameraden zurück.

Im Schulalltag lässt sich erkennen, dass ADHS häufig gleichzeitig mit Lernschwächen wie Legasthenie oder Dyskalkulie auftritt. Die daraus folgenden Leistungsdefizite können dazu führen, dass Ihr Kind vermehrt unter dem entstehenden Leistungsdruck leidet oder sogar Schulangst entwickelt. Daher ist es wichtig, die Ursachen für die Lernschwierigkeiten Ihres Kindes abzuklären. Zeigt Ihr Kind neben ADHS-Symptomen Anzeichen auf eine Lernstörung, kann eine ärztliche Diagnose Klarheit verschaffen. So kann festgestellt werden, welche Therapieansätze für Ihr Kind geeignet sind und welche Förderungsmaßnahmen ergriffen werden sollten.

ADHS Diagnose

Erste Hinweise auf ADHS können Eltern meist selbst erkennen: Ihr Kind wirkt bei Freizeitaktivitäten unkonzentriert, zeigt einen gesteigerten Bewegungsdrang und schafft es in der Schule nicht, sich auf Unterrichtsinhalte zu fokussieren. Um Ihrem Kind bei der Bewältigung der auftretenden Probleme zu helfen, muss zunächst festgestellt werden, ob die Auffälligkeiten im Verhalten nur vorübergehend sind oder ob Hinweise auf eine behandlungsbedürftige Störung bestehen. Viele Beratungsstellen bieten kurze ADHS-Tests an, bei denen die häufigsten Symptome abgefragt werden. Allerdings dienen solche Fragebögen ausschließlich zur ersten Orientierung. Ein ADHS-Test kann eine eindeutige Diagnose nicht ersetzen, aber zumindest den ersten Anstoß für einen Arztbesuch liefern. Anschließend ist eine gründliche ärztliche Untersuchung beim Kinder- oder Jugendarzt bzw. beim Psychiater/Psychologen nötig, um ADHS festzustellen. Diese Diagnostik deckt verschiedene Bereiche ab:

  • körperliche und neurologische Voraussetzungen
  • motorische Fähigkeiten
  • Sinneswahrnehmung
  • Verhalten
  • Familiensituation und Erkrankungen innerhalb der Familie

Der behandelnde Arzt stellt auf der Grundlage der Ergebnisse von speziellen ADHS-Tests, Verhaltensbeobachtungen und Einschätzungen von Lehrern und Eltern fest, ob Ihr Kind an ADHS leidet. Auch Ihr Kind sollte natürlich im Rahmen der ADHS-Diagnose zu seinen Erfahrungen und Empfindungen befragt werden. Im Zuge der Diagnostik wird das Leistungs- und Konzentrationsvermögen Ihres Kindes untersucht. Zudem wird ermittelt, ob möglicherweise begleitende Störungen wie Lernschwächen, Depressionen oder Zwangsstörungen vorliegen. So kann anschließend eine passende Strategie für die Therapie entwickelt werden.

ADHS Therapie

Wenn Sie vermuten, dass Ihr Kind von ADHS betroffen sein könnte oder eventuell von Lehrern über auffälliges Verhalten informiert werden, sollten Sie Ihren Verdacht frühzeitig abklären lassen. Durch Therapie und Förderung (Konzentrationskurse) können ADHS-Symptome gemildert werden. So wird den Kindern der Alltag erleichtert und ein normales Lernen ermöglicht, obwohl die Krankheit selbst nicht heilbar ist.

Für ADHS existieren verschiedene Behandlungsmöglichkeiten. Um ein erfolgreiches Therapiekonzept aufzustellen, sollte die individuelle Situation des jeweiligen Kindes gründlich analysiert werden. Bei einer erfolgreichen ADHS-Therapie werden Eltern sowie Lehrer informiert und in die Umsetzung verschiedener Strategien mit eingebunden. Eltern werden zum Beispiel darin geschult, wie sie am besten mit Problemsituationen und Konflikten umgehen können.

Eine kognitive Verhaltenstherapie kann Ihrem Kind dabei helfen, seine Impulsivität stärker zu kontrollieren oder seine Arbeitsorganisation zu verbessern. Sozialtherapeutisches Training steigert die Kompetenzen im zwischenmenschlichen Verhalten und fördert die Lösung von unangebrachten oder aggressiven Handlungsmustern.

Neben diesen Therapiemethoden wird ADHS auch mit Medikamenten behandelt, um bestimmte Symptome zu mildern. Eine medikamentöse Behandlung sollte an das Alter des Kindes und den Schweregrad der Störung angepasst werden. Häufig wird sie erst in Betracht gezogen, wenn andere Behandlungen nicht angeschlagen haben. Trotzdem erfolgt eine ADHS-Therapie mit Medikamenten immer in Kombinationen mit anderen Behandlungsformen. Lassen Sie sich von Ihrem Arzt gründlich über Notwendigkeit, Wirkungsweise und mögliche Nebenwirkungen des jeweiligen Medikamentes informieren.

Als Elternteil werden Sie von Ärzten und Therapeuten meist genau über die Einzelheiten der ADHS informiert. Versuchen Sie, Ihrem Kind die wichtigsten Aspekte dieser Diagnose zu erklären – machen Sie also deutlich, dass es sich bei den Konzentrationsschwierigkeiten um ein Problem handelt, für das Ihr Kind keine Schuld trifft, und dass Sie gemeinsam an einer Lösung arbeiten wollen.

ADHS in der Schule – Lösungsstrategien

Durch ihre mangelnde Konzentrationsfähigkeit fällt Kindern mit ADHS das Lernen schwer. Einige Anpassungen an der Unterrichtsorganisation können jedoch dabei helfen, betroffene Kinder besser in das Unterrichtsgeschehen einzubinden und ihr Leistungspotenzial auszuschöpfen. Dazu zählen:

  • Klassenzimmer mit wenig Ablenkung durch Dekoration, große Fenster zur Straße oder Lärm aus dem Schulgebäude
  • übersichtlich gegliederte und gleichbleibende Wochenpläne
  • rechtzeitige Ankündigung von Veränderungen im Schulalltag
  • anschauliche Darstellung von inhaltlichen Zusammenhängen
  • direkt und klar formulierte Aufgabenstellungen
  • strukturierte Unterrichtsplanung

Zuhause können Sie Ihr Kind zum Lernen motivieren und bei der Erledigung von Hausaufgaben unterstützen, indem Sie einige Rahmenvoraussetzungen schaffen:

  • Sorgen Sie für einen strukturierten, regelmäßigen Tagesablauf.
  • Ein übersichtlicher Stundenplan sollte einen Überblick über den Unterricht geben und anschließende Freizeitaktivitäten auflisten.
  • Planen Sie bei Hobbys und bei umfangreichen Hausaufgaben regelmäßige Pausen ein.
  • Schaffen Sie einen reizarmen Arbeitsplatz mit möglichst wenig Ablenkung.
  • Teilen Sie größere Aufgabenkomplexe in kleinere Teilaufgaben.
  • Vergewissern Sie sich, dass Ihr Kind die Aufgabenstellung verstanden hat.
  • Besprechen Sie mit Ihrem Kind die eingeplante Zeit für die Aufgaben, um sein Zeitmanagement zu schulen.

Beim Lernen zuhause und in der Schule ist es wichtig, dass die Aufmerksamkeit Ihres Kindes stets erneut auf die vorliegenden Aufgaben fokussiert wird. Eine Nachprüfung des Arbeitsfortschrittes sowie Rückmeldungen helfen dem Kind dabei, die Aufgaben zu erfüllen. Wichtig ist zudem Lob, das deutlich und regelmäßig formuliert werden sollte.

Hilfreiche Übungen zur Konzentrationsförderung sowie weitere Informationen zur Konzentrationsförderung finden Sie in unserem Ratgeber „Besser konzentrieren“.

Fazit

Als ADHS wird eine Verhaltensstörung bezeichnet, die hauptsächlich durch Aufmerksamkeits- und Konzentrationsschwäche gekennzeichnet ist. Durch ihre Unruhe und Impulsivität in sozialen Situationen haben Betroffene Schwierigkeiten mit sozialen Kontakten. Der starke Konzentrationsmangel verursacht zudem deutliche Probleme beim Lernen, was wiederum Versagensängste nach sich ziehen kann. ADHS ist zwar nicht heilbar, kann heute jedoch erfolgreich behandelt werden. Vermuten Sie, dass Ihr Kind an einer Aufmerksamkeitsstörung leidet, sollten Sie diesen Verdacht durch eine ärztliche Untersuchung abklären lassen. Nach einer Diagnose kann eine Therapie die beeinträchtigenden Symptome mildern und das Aufmerksamkeits- und Konzentrationsvermögen Ihres Kindes gezielt trainieren.

TÜV
Sichere Notenverbesserung
Service-Champion
Diese Website verwendet Cookies für Analysen, personalisierte Inhalte und interessenbezogene Anzeigen. Indem Sie diese Website weiter nutzen, erklären Sie sich mit dieser Verwendung einverstanden. Weitere Informationen
8714