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Dyspraxie – Motorische Störungen bei Kindern

Kinder mit Dyspraxie fallen in ihrem Umfeld zunächst durch ungeschicktes Verhalten sowie angestrengt und unbeholfen wirkende Bewegungen auf. Die Ausbildung der Grob- und Feinmotorik sowie die Koordination der Kinder entspricht nicht ihrem Alter. Da Dyspraxie die motorischen Fähigkeiten im Ganzen beeinträchtigt, zeigen sich die Auswirkungen in der Schule und bei alltäglichen Aktivitäten.

Sehen Sie im Verhalten Ihres Kindes Anzeichen auf eine motorische Entwicklungsstörung, sollten Sie frühzeitig einen Arzt aufsuchen. Im Anschluss an eine Diagnose können Sie verschiedene Therapieangebote in Anspruch nehmen, um Ihrem Kind den Alltag und das Lernen zu erleichtern. In diesem Artikel finden Sie daher eine knappe Übersicht über Dyspraxie-Symptome und Behandlungsmöglichkeiten.

Dyspraxie-Symptome im Überblick

Der Begriff „Dyspraxie“ beschreibt eine lebenslange Entwicklungsstörung der Koordination und der motorischen Fähigkeiten. Laut Klassifikation der Weltgesundheitsorganisation zählt Dyspraxie (auch „Entwicklungsdyspraxie“ genannt) zu den „umschriebene[n] Entwicklungsstörungen der motorischen Funktionen“ (UEMF) (Quelle: ICD-10, F82). Durch die starke Einschränkung ihrer Motorik und Koordination haben betroffene Kinder bereits bei der Ausführung von Alltagshandlungen Probleme. Kinder mit Dyspraxie haben Schwierigkeiten, Abläufe von Bewegungen und Handlungen zu planen, sie anschließend gezielt in die Tat umzusetzen und zu koordinieren. Das Erlernen von neuen Handlungs- und Bewegungsabläufen fällt ihnen schwer, aber auch Abweichungen von bereits erlernten Bewegungsabläufen gelingt ihnen häufig nur unter großer Anstrengung.

Anstatt einen Bewegungsablauf automatisch durchzuführen, wird jeder Schritt von dyspraktischen Kindern stattdessen von Grund auf neu durchdacht. Durch die mangelnde zielorientierte Planung ergeben sich auffällige motorische Schwierigkeiten. Obwohl sie eine bestimmte Aufgabe verstanden haben, gelingt es ihnen nicht, eine zweckmäßige, der Situation angepasste Handlung mental zu organisieren und anschließend umzusetzen.

Dyspraxie-Symptome im Alltag und in der Schule

Dyspraktische Kinder wirken auf den ersten Blick langsamer und tollpatschiger als ihre Altersgenossen und sind aufgrund ihrer Koordinationsstörung einem höheren Unfallrisiko ausgesetzt. Daher findet auch die Bezeichnung „Syndrom des ungeschickten Kindes“ Verwendung. Häufig zeigen sich folgende Auffälligkeiten:

  • ungeschicktes Verhalten, unbeholfene Bewegungen
  • unsicherer Gang
  • Störung der Grobmotorik (Gesamtbewegung wie Laufen oder Springen) und Feinmotorik (Hand- und Fingerkoordination, Gesichts- und Mundmotorik)
  • Probleme bei der gleichzeitigen Bewegung von Armen und Beinen
  • verlangsamte Alltagshandlungen (auffällig beim Anziehen, Essen, bei der Körperhygiene etc.)
  • unwillkürliche Bewegungen einzelner Gliedmaßen
  • Entgleiten der Gesichtszüge
  • Schwierigkeiten beim Lernen durch Nachahmung

In der Schule benötigen sie mehr Zeit, um ihre Aufgaben zu beginnen und durchzuführen, obwohl sie die Aufgabenstellung durchaus verstanden haben. Insgesamt schaffen sie dadurch weniger in der gleichen Zeit als ihre Klassenkameraden. Weitere Dyspraxie-Symptome werden im Fachunterricht sichtbar:

  • Schwierigkeiten bei der Handhabung von Utensilien (Stifte, Scheren, Mess- und Zeichengeräten)
  • langsames Schreiben, unleserliches Schriftbild
  • Lese- und Rechtschreibschwäche: Verwechslung von Zahlen (z.B. 6 und 9) und Buchstaben (z.B. b und p)
  • gestörtes Verständnis der Raumbeziehung (Richtungen, Lage) sowie von Längen, Größen, Mengen und Formen
  • Koordinationsprobleme im Sportunterricht

Sie benötigen viel Konzentration für die kleinsten Aufgabenschritte und investieren einen Großteil ihrer Energie in Handlungsabläufe, die nicht zur Bewältigung ihrer jeweiligen Aufgabe dienen. Vorbereitungsaufgaben wie das Bereitlegen der Arbeitsmaterialien nehmen für sie viel Zeit in Anspruch, weshalb die Lernleistung auf der Strecke bleiben kann.

(Quelle: Verein zur Förderung der Kinder mit Minimaler Cerebraler Dysfunktion; Dyspraxie Online)

Ausprägungen der Dyspraxie

Dyspraxie-Symptome können die Ausführung von Bewegungen betreffen oder sich nur auf die theoretische Reflexion von Handlungen beziehen. Zudem kann die Sprachentwicklung im Besonderen beeinträchtigt sein.

Bei der motorischen Dyspraxie können sich die betroffenen Kinder vorstellen, welche Bewegungen ausgeführt werden sollen. Die Umsetzung der Handlung gelingt ihnen entweder nur unter großer Anstrengung oder gar nicht. Beim Schreiben und bei gestalterischen Arbeiten fällt es ihnen schwer, etwa einen Stift ordentlich zu führen oder die Grenzen eines Blattes einzuhalten. Ebenfalls fallen ihnen alltägliche Tätigkeiten wie das Anziehen oder die Benutzung von Besteck schwer. Eltern fällt zudem auf, dass ihr Kind sich unsicher fortbewegt und sich anstrengen muss, um die Balance zu halten.

Kinder mit ideatorischer Dyspraxie haben wiederum Probleme dabei, Handlungen zu planen und zu beschreiben, sind aber motorisch nicht eingeschränkt. Sie schaffen es nicht, sich genau vorzustellen, welche Schritte eine Handlung beinhaltet und verlieren schnell den Überblick über Bewegungsabläufe. Sie sind demnach zwar in der Lage, Bewegungen nachzuahmen, können Handlungsabfolgen aber schlecht visualisieren und beschreiben.

Liegt hingegen eine deutliche Einschränkung der sprachlichen Fähigkeiten vor, wird von einer verbalen Dyspraxie gesprochen. Die Sprachentwicklung erfolgt nur verzögert, weshalb auch die Bezeichnung „verbale Entwicklungsdyspraxie“ verwendet wird. Da die Planung der Sprechbewegung gestört ist, machen sich Schwierigkeiten in der Aussprache bemerkbar. Bei einer verbalen Dyspraxie fällt zudem auf, dass betroffene Kinder im Kleinkindalter häufig husten und sich verschlucken. Gleichzeitig treten meist Anzeichen einer allgemeinen Dyspraxie auf. Im Schulalltag resultieren daraus selbstverständlich merkliche Lernschwierigkeiten, insbesondere beim Lesen und Buchstabieren.

(Quelle: Dyspraxie Online)

Komplikationen bei Dyspraxie

Dyspraktischen Kindern fallen Bewegungen und Tätigkeiten schwer, die von gleichaltrigen Kindern problemlos ausgeführt werden können. Dadurch sind sie bei vielen Handlungen langsamer und haben Schwierigkeiten, dem Unterrichtsgeschehen zu folgen. Fälschlicherweise werden sie daher oft als weniger intelligent angesehen. Unter Umständen können die Symptome ihrer Störung missverstanden werden: Wenn das betroffene Kind eine ungewöhnlich lange Zeit benötigt, um seine Arbeitsmaterialien zusammenzusuchen und anschließend nur wenige Aufgaben erfüllen kann, können Lehrer diese Verhaltensmuster als Unwillen oder Faulheit fehlinterpretieren. Dyspraktische Kinder können sich die Ursache für ihre Probleme nicht erklären, was häufig zu Selbstzweifeln führt. Als Folge ihrer Einschränkung haben sie nur ein geringes Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten.

Besonders bei sportlichen Aktivitäten werden Unterschiede zu Gleichaltrigen deutlich: Ihre unbeholfenen, oft ungewöhnlichen Bewegungsmuster fallen anderen Kindern auf. Im schlimmsten Fall können Hänseleien und Ausgrenzung die Folge sein. Negative Erfahrungen im sozialen Umfeld und anhaltende Misserfolge bei Alltagstätigkeiten können die Entwicklung von psychischen Erkrankungen wie Depressionen fördern.

Bemerken Sie Anzeichen auf Dyspraxie bei Ihrem Kind, sollte daher frühzeitig eine gründliche ärztliche Untersuchung erfolgen. Eine Dyspraxie-Diagnose stellt für die Betroffenen meist eine große Erleichterung dar, da so eine Erklärung für die Symptome gefunden wird. Anschließend können therapeutische Behandlungen erfolgen, die es dyspraktischen Kindern ermöglichen, sich trotz ihrer motorischen Störung zu entfalten.

Dyspraxie-Diagnose

Während im Kleinkindalter gelegentlich unkoordiniertes Verhalten weniger auffällig ist, wird die gestörte Fein- und Grobmotorik mit fortschreitendem Alter immer deutlicher. Nicht jedes betroffene Kind muss alle beschriebenen Symptome aufzeigen. Häufig treten die Anzeichen in unterschiedlichen Ausprägungen auf. Für eine eindeutige Klärung ist eine ärztliche Diagnose nötig.

Ein zentrales Merkmal der Dyspraxie ist, dass die motorischen Schwierigkeiten nicht auf „eine Intelligenzminderung oder eine spezifische angeborene oder erworbene neurologische Störung“ zurückgeführt werden können (Quelle: ICD-10, F82). Daher müssen bei der Dyspraxie-Diagnose andere körperliche oder neurologische Störungen und/oder Schädigungen zunächst ausgeschlossen werden. Dazu zählen Muskelschwächen oder Lähmungserscheinungen ebenso wie Erbkrankheiten, die einen Einfluss auf die allgemeine Intelligenz nehmen könnten.

Eine Dyspraxie-Diagnose erfolgt meist durch Beobachtungstests. Es wird beurteilt, wie das Kind durch seine gestörte Motorik in Alltagssituationen beeinträchtigt wird. Auffällig sind dabei die gestörte Koordination und die Verzögerung der motorischen Entwicklungsschritte, da viele Bewegungs- und Handlungsabläufe nur schwer erlernt werden können. Auch die entstehenden schulischen Lernprobleme werden in die Diagnose miteinbezogen. Dyspraxie tritt häufig gemeinsam mit Lernschwächen wie Legasthenie oder Dyskalkulie auf und kann auch dem Störungsbild der ADS ähneln. Zudem kann Dyspraxie in Verbindung mit Autismus oder dem Asperger-Syndrom auftreten. Daher ist eine gewissenhafte Differenzialdiagnose nötig, um anschließend ein passendes Therapiekonzept ausarbeiten zu können.

Dyspraxie-Therapie

Wenn eine Dyspraxie-Diagnose frühzeitig erfolgt, können Kinder durch verschiedene Therapieangebote sowie spezielle Hilfsmittel lernen, mit ihrer motorischen Entwicklungsstörung besser umzugehen. Mithilfe von Bewältigungsstrategien für alltägliche Situationen können Kinder mit Dyspraxie ihr allgemeines Leistungspotenzial besser nutzen. Das grundlegende Ziel jeder Dyspraxie-Therapie sollte es sein, Kindern bei der Lösung von Alltagsproblemen zu helfen. Die Behandlungsform sollte auf die individuelle Situation Ihres Kindes angepasst sein. Generell sind folgende Therapieformen denkbar:

  • Ergotherapie, Physiotherapie oder Motopädie dienen dazu, die grob- und feinmotorische Koordination eines dyspraktischen Kindes zu verbessern.
  • Logopädische Therapie wird bei sprachlichen Entwicklungsproblemen empfohlen, um die zum Sprechen notwendigen Bewegungsabläufe zu schulen.
  • Mundmotorische Übungen können dabei helfen, Probleme mit dem Kauen, Schlucken und Sprechen zu bessern.

Bei allen Therapieformen üben die Kinder zielgerichtete Bewegungsabläufe ein und führen sie unter der Anleitung eines Therapeuten durch. Regelmäßiges Training kann dazu beitragen, dass sie sich in alltäglichen Situationen sicherer fühlen. Der Therapeut soll ihnen demnach Methoden für die Handlungsplanung vorstellen und bei der Erlernung der geplanten Bewegungsabläufe Hilfe leisten.

In der Schule haben Kinder mit Dyspraxie nach erfolgter Diagnose häufig einen Anspruch auf Nachteilsausgleiche in Bezug auf bereitgestellte Arbeitsmaterialien und mögliche Hilfsmittel. Abwandlungen in der Ergebnispräsentation und die Verlängerung der Bearbeitungszeit sind möglich (Quelle: Beratungsstelle besondere Begabungen, Merkblatt Dyspraxie).

Neben Therapie und Förderung benötigen dyspraktische Kinder vor allem die Unterstützung ihrer Eltern. Reden Sie mit Ihrem Kind offen über seine Störung und zeigen Sie Geduld und Verständnis für seine alltäglichen Herausforderungen. Loben Sie Ihr Kind selbst bei kleinen Erfolgen, um sein Selbstvertrauen zu steigern. Spenden Sie gleichermaßen Trost bei Misserfolgen. Wenn Sie Ihr Kind in alltägliche, praktische Handlungen einbeziehen, können Sie zudem gemeinsam die Planung von Handlungsabläufen in einer sicheren Umgebung trainieren.

Fazit

Kinder mit Dyspraxie sind durch ihre motorischen Schwierigkeiten und Koordinationsprobleme in alltäglichen Situationen eingeschränkt. Infolgedessen entwickeln sie Lernschwierigkeiten, die sie zusätzlich belasten. Bei Dyspraxie handelt es sich um eine lebenslang anhaltende Störung, die zwar nicht heilbar ist, deren Symptome nach einer Diagnose jedoch erfolgreich behandelt werden können. Durch frühzeitige Dyspraxie-Therapie und Fördermaßnahmen kann das Leben der betroffenen Kinder deutlich erleichtert und normalisiert werden.

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