Digitaler Unterricht

Internetrecherche:
Ein Leitfaden für Schülerinnen und Schüler

In der modernen Informationsgesellschaft ist die tägliche Nutzung digitaler Medien für die meisten Menschen selbstverständlich geworden. Insbesondere junge Menschen stützen sich bei der Informationsbeschaffung hauptsächlich auf das Internet. Ob es sich um Informationen zu aktuellen Ereignissen oder Zusatzwissen zum Unterrichtsstoff handelt, macht dabei keinen Unterschied. Der sichere und reflektierte Umgang mit digitalen Medien ist ein zentraler Aspekt der Medienkompetenz, die für Heranwachsende heute unabdingbar ist. Dazu zählt auch der Umgang mit Internet-Quellen. In diesem Artikel sammeln wir daher wichtige Infos und Tipps zur Internetrecherche und beantworten Fragen wie: Wie findet man seriöse Quellen im Internet? Woran lassen sich Fake News erkennen?

Info-Box:

Die JIM-Studie untersucht jährlich das Mediennutzungsverhalten von Jugendlichen zwischen 12 und 19 Jahren und zeigt unter anderem, wie Jugendliche digitale Angebote zum Wissenserwerb nutzen. 2019 ermittelte die JIM-Studie, dass 87 % der befragten Jugendlichen Suchmaschinen wie Google zur Recherche benutzen. Über die Hälfte der Befragten nutzen außerdem YouTube-Videos, um sich zu bestimmten Themen zu informieren. Ein Drittel der Jugendlichen verlassen sich bei der Internetrecherche zudem auf Online-Enzyklopädien wie Wikipedia.

Informationssuche mit digitalen Medien: Recherche Schritt für Schritt erklärt

Vor allem Schülerinnen und Schüler, die bereits eine weiterführende Schule besuchen, müssen die nötigen Informationen für Hausaufgaben und Referate nicht selten allein beschaffen. Aber selbst Grundschülerinnen und Grundschüler können das Internet bereits zur Ausarbeitung von Projekten oder zur Wiederholung der gelernten Inhalte benutzen.

Daher ist es wichtig, dass die Lernenden frühzeitig mit den richtigen Recherchetechniken vertraut gemacht werden. Die Rechercheabläufe können am besten im Unterricht mit gezielten Aufgabenstellungen eingeübt werden. Geeignete Themen sind z. B.:

  • Umgang mit Suchoperatoren ausprobieren
  • Vor- und Nachteile der Internetrecherche gegenüberstellen
  • Vergleich der Suchergebnisse aus verschiedenen Suchmaschinen anstellen
  • Beispiele für Suchergebnisse zu einem bestimmten Thema nach Relevanz bewerten

So erlangen Schülerinnen und Schüler Kompetenzen, die sie auch bei ihrem späteren Bildungsweg und im Berufsleben benötigen.

Richtig recherchieren im Internet

Eine strukturierte Recherche für einen Aufsatz oder ein Referat kann z. B. so ablaufen:

  1. Überblick über das Thema verschaffen
    Beim Themenüberblick reicht zunächst eine allgemeine Suche, für die das Internet, aber auch Fachbücher und Lexika benutzt werden können. Bei diesem ersten Schritt sollten Schülerinnen und Schüler ihr Thema sinnvoll eingrenzen und sich Fach- oder Fremdwörter notieren, die sie bei der Recherche klären müssen: Quellen, die zu weit vom eigentlichen Thema wegführen, sind z. B. nicht relevant und können verworfen werden. So wird die Recherche zielgerichteter und effizienter.
  2. Struktur des Themas erfassen
    Bei der Recherche werden Schülerinnen und Schüler Stichworte oder Fachbegriffe wiederholt begegnen. Diese wiederkehrenden Begriffe zu definieren, Zusammenhänge zwischen ihnen herzustellen oder Widersprüche aufzudecken, kann dabei helfen, eine Struktur für die Recherche zu finden. Ist die Informationsfülle zu groß, kann es helfen, interessante Seiten zunächst als Lesezeichen abzuspeichern. So können die Lernenden später zu einem bestimmten Thema zurückkehren und müssen nicht alle Informationen auf einmal aufnehmen.
  3. Fakten gegenprüfen
    Vor allem bei einer Internetrecherche zu einem zuvor unbekannten oder wenig vertrauten Thema kann der Blick in andere (wissenschaftliche Quellen) hilfreich sein. Für die Recherche können zu diesem Zeitpunkt auch Zeitungen, Dokumentationen oder Interviews benutzt werden, um bestimmte Argumente zu untermauern oder gegebenenfalls zu widerlegen.
  4. Recherche zusammenfassen
    Die gesammelten Informationen müssen im letzten Schritt in einen Zusammenhang gebracht werden, der auf einem logischen Aufbau beruht. Die Schülerinnen und Schüler müssen zu diesem Zeitpunkt versuchen zu verstehen, wie die Inhalte zusammenpassen, oder selbst Verbindungen knüpfen. Das Recherche-Endresultat sollte bestenfalls einen roten Faden besitzen.

Info-Box

Viele Jugendliche benutzen auch Internetvideos, z. B. auf YouTube, um sich zu bestimmten Themen zu informieren oder den Schulstoff zu üben. Erklärvideos oder Kurzdokus können den Einstieg in ein bestimmtes Thema erleichtern. Woran man ein gutes Lernvideo erkennt, haben wir in einem anderen Artikel genauer beleuchtet.

Suchmaschinen zur Internetrecherche nutzen

Bevor einzelne Quellen ausgewertet werden können, muss die Informationsbeschaffung im Internet zunächst gestartet werden. Wenn keine bestimmten Seiten als Grundlage vorgegeben werden, findet der Einstieg in die Recherche meist über Suchmaschinen statt. Diese Art der Informationssuche ist den meisten Schülerinnen und Schülern auch aus ihrer Freizeit bekannt. Mit einigen Tipps lässt sich die Nutzung von Suchmaschinen allerdings effektiver und gezielter gestalten:

  • möglichst eindeutige Stichworte eingeben, die das Thema beschreiben und eingrenzen
  • Schlagworte statt vollständiger Sätze zur Suche verwenden
  • Suche evtl. durch synonyme Begriffe ergänzen
  • je nach Sprachkenntnissen: englische Suchbegriffe nutzen

Suchoperatoren zur Quellenrecherche einsetzen

Zur Eingrenzung der Suchergebnisse können auch Suchoperatoren benutzt werden. Mit den Suchoperatoren können Schülerinnen und Schüler gezielt nach einzelnen Phrasen suchen, bestimmte Inhalte ausschließen oder auch auf ausgewählten Seiten suchen 

  • "…" ermöglicht die Suche nach einer genauen Formulierung, z. B. ein Zitat
  • - schließt bestimmte Begriffe bei der Suche aus, z. B. bei mehrdeutigen Suchbegriffen
  • * wirkt als Platzhalter für ein ausgelassenes Wort bei der Suche
  • filetype: sucht nach bestimmten Dateitypen, z. B. PDF
  • site: sucht nur auf bestimmten Internetseiten "…" ermöglicht die Suche nach einer genauen Formulierung, z. B. ein Zitat

Eine ausführlichere Erklärung von Suchoperatoren mit Anwendungsbeispielen listen wir in unserem übersichtlichen Recherche-PDF

Alternative Suchmaschinen

Obwohl Google wohl die bekannteste und am meisten genutzte Suchmaschine ist, gibt es noch verschiedene alternative Suchmaschinen, die bei der Recherche nützlich sein können.

  • Suchmaschinen von Online-Bibliotheken können zur Recherche von Fachliteratur genutzt werden. Hilfreich ist das vor allem für Schülerinnen und Schüler an weiterführenden Schulen, z. B. bei der Ausarbeitung von komplexen Projekt- oder Seminararbeiten.
  • Spezialsuchmaschinen konzentrieren sich nur auf ein bestimmtes Themengebiet und helfen daher, Inhalte zu speziellen Themengebieten zu finden. Spezialsuchmaschinen können z. B. Fachliteratur durchforsten, um Begriffe, Zitate oder Formeln zu finden.
  • Meta-Suchmaschinen können wiederum benutzt werden, um mehrere Suchmaschinen gleichzeitig zu durchforsten.

Info-Box:

Insbesondere bei alltäglichen Fragen sind Internet-Enzyklopädien wie Wikipedia zu einer wichtigen ersten Anlaufstelle geworden. Als seriöse Quelle für Referate oder andere Schulaufgaben werden solche Online-Nachschlagewerke jedoch meist nicht akzeptiert. Dennoch können digitale Enzyklopädien dabei helfen, einen ersten Überblick über die Struktur eines bestimmten Themas zu gewinnen. Zudem listen viele Artikel ihre Originalquellen – an diesen Stellen kann dann unkompliziert weiterrecherchiert werden.

Seriöse Quellen zur Internetrecherche erkennen

Bei der schieren Informationsflut im Internet ist es auf den ersten Blick nicht immer einfach, fragwürdige von seriösen Quellen zu unterscheiden. Die gemeinsame Bewertung unterschiedlicher Quellen im Unterricht stellt daher eine gute Übung dar und schult den kritischen Blick der Schülerinnen und Schüler.

Anforderungen an seriöse Internetquellen

Um eine seriöse Internetquelle erkennen zu können, gibt es verschiedene Qualitätsmerkmale, nach denen Schülerinnen und Schüler eine bestimmte Webseite untersuchen können.

  • Fehlerfreiheit: Die Texte sind frei von Rechtschreibfehlern, sinnvoll strukturiert und ansprechend geschrieben.
  • Aktualität: Die Informationen sind aktuell bzw. die Website wird regelmäßig aktualisiert. Die Webseite bezieht sich nicht auf veraltete oder widerlegte Sekundärquellen.
  • Objektivität: Die Inhalte werden sachlich und neutral präsentiert. Wenn nötig, beleuchtet der Text unterschiedliche Perspektiven. Es ist erkennbar, wenn der Text sich nur an eine bestimmte Zielgruppe richtet oder subjektive Sichtweisen in den Text einfließen.
  • Wissenschaftlichkeit: Eine seriöse Quelle zu einem wissenschaftlichen Thema verfügt über detaillierte Informationen (ggf. aus verschiedenen Perspektiven) und behandelt ein bestimmtes Thema nicht nur kurz oder oberflächlich.
  • Webauftritt: Die Website verfügt über Impressum und Datenschutzerklärung mit allen nötigen Informationen. Es ist ersichtlich, wer die Seite betreibt bzw. wer der Domain-Inhaber ist. Kontaktmöglichkeiten sind verfügbar.
  • Autor: Der Text verrät den Namen des Autors. Die Qualifikationen oder Fachkenntnisse des Autors spiegeln sich im Inhalt wider oder basieren sichtbar auf anderen Fachtexten/Interviews mit Experten.
  • Referenzen: Andere Internetseiten, die inhaltlich verknüpft sind oder Fachinformationen zu einem bestimmten Thema sammeln, verlinken auf die Seite.
  • Nachprüfbarkeit: Wichtige Informationen werden auf glaubwürdige Quellen gestützt (etablierte Nachrichtenseiten oder Fachzeitschriften). Vertritt die Website selbst die Expertenposition, sollten Informationen dennoch sachlich, transparent und nachprüfbar sein. Zitate werden gekennzeichnet und Quellen für Zahlen und Daten genannt.

Info-Box:

Auch Werbefreiheit wird manchmal als Qualitätskriterium für seriöse Quellen genannt. Allerdings finanzieren sich auch viele etablierte Webseiten zum Teil über Werbung. Stattdessen kann auch bewertet werden, ob die Werbung im Text versteckt wird, sehr aufdringlich oder ablenkend ist. 

Fake News erkennen

Auch außerhalb der schulischen Recherche werden Schülerinnen und Schüler immer wieder mit Nachrichtenmeldungen konfrontiert, die entweder dramatisch überspitzt dargestellt werden (Clickbait) oder sogar bewusst Falschinformationen verbreiten (Fake News). Auch in diesem Bereich können Recherchefähigkeiten nützlich sein, um Fake News gezielt zu enttarnen und die Weiterverbreitung zumindest im privaten Kreis zu stoppen.

Auch wenn es nicht immer einfach ist, lassen sich Fake News mit einigen Tipps dennoch leicht entlarven. Dazu zählen folgende Fragen:

  • Woher stammt die Information?
  • Ist es nachvollziehbar, dass die Webseite über dieses Thema berichtet?
  • Gibt es ein Impressum?
  • Lässt sich aus dem Text eine bestimmte Absicht (z. B. eine politische Botschaft, eine indirekte Handlungsaufforderung) erkennen?
  • Ist der Text sehr reißerisch geschrieben? Sind viele Aussagen übertrieben?
  • Greift der Text bewusst einzelne Personen oder Standpunkte ohne sachliche Argumente an?
  • Passen die Bilder zum Text? Wer hat das Bild aufgenommen? Woher stammen die Bilder (z. B. Schriftzüge im Hintergrund, Straßenschilder, Landschaften)? Ist es nur im Kontext dieser bestimmten Meldung zu finden?
  • Stellt der Beitrag die Informationen der Originalquelle wahrheitsgetreu dar oder verzerrt bzw. verschweigt er bestimmte Aussagen oder Daten?
  • Bestätigen seriöse Quellen die Meldung? Taucht die Webseite oder der Beitrag bei bekannten Faktenchecker-Webseiten auf?

Info:

Auf den ersten Blick oder durch einen fehlenden Kontext können auch satirische Meldungen zunächst nach Fake News aussehen. Vor allem jüngere Kinder haben oft Schwierigkeiten, humoristisch-überspitzte Aussagen von bewussten Falschmeldungen zu unterscheiden. Auch in diesem Fall können Übungen im Unterricht helfen, die Abgrenzung deutlicher zu machen.

Fazit

Die Fähigkeit, vertrauenswürdige Quellen zu erkennen und zu bewerten sowie wichtige Informationen herauszuarbeiten und zusammenzustellen, ist eine wichtige Kernkompetenz im digitalen Zeitalter. Je früher Kinder und Jugendliche für die Merkmale von vertrauenswürdigen Informationsquellen sensibilisiert werden, desto erfolgreicher können sie die zahlreichen Ressourcen des Internets nutzen. Weiterhin können Schülerinnen und Schüler somit auch leichter erkennen, wenn es sich bei einem Beitrag um Fake News handelt und werden somit auch sicherer im Umgang mit Informationen in den sozialen Medien.

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