Künstliche Intelligenz hat in der Schule einen schlechten Ruf. Bei Namen wie ChatGPT, Perplexity oder Copilot denken die meisten Lehrkräfte, aber auch Schüler und Schülerinnen vor allem ans Mogeln. Und ja, klar: Von der kleinen Hausaufgabe Aufsatz bis zum vollständigen Literaturgeschichte-Referat können die virtuellen Helfer so ziemlich alles erledigen, was Lernenden so lästig ist. Sind KI-Chatbots also reine Mogelmaschinen?
Nein, im Gegenteil: KI kann ein hervorragender Lernhelfer sein - ganz besonders dann, wenn es ums Schreiben geht. Denn mit schriftlichen Informationen umzugehen, ist die gerade Kernkompetenz jedes Chatbots. Und die lässt sich wunderbar nutzen:
Besser schreiben mit KI – vier Ideen für Schülerinnen und Schüler
1. Erklären
Diese Funktion nutzen schon jetzt viele Lernende: KI-Chatbots sind geduldige Erklärer von Lernstoff, den man in der Schule nicht verstanden (oder nicht mitbekommen) hat. Wann ist gleich wieder „das“ richtig, und wann „dass“? Welche Wörter schreibt man zusammen, welche getrennt? Einen Bot kann man das so oft fragen, bis man es wirklich verstanden hat.
Wer von den entsprechenden Regeln überhaupt keine Ahnung hat, nutzt am besten einen allgemeinen Chatbot wie ChatGPT. Diese Art von KI beantwortet Fragen meist ausführlich und bietet auf Nachfrage unterschiedliche Erklärungen, auch in einfacher Sprache. Wer hingegen nur eine schnelle Antwort auf seine Frage sucht, ist bei Frage-Antwort-Bots wie Perplexity oder Googles Gemini richtig: Diese formulieren klar und kurz – und vor allem geben sie dabei in der Regel ihre Quellen ab. So kann man überprüfen, wie glaubwürdig die Antwort ist.
2. Üben
Wer motiviert ist, sich in der Schule zu verbessern, steht bald vor einem großen Problem: Es fehlt an gutem Trainingsmaterial. Schulbücher bieten oft nur wenige Übungen an, und diese passen nicht immer zu dem Problem, welches man gerade hat.
Hier ist KI klar im Vorteil. Von einem geeigneten Bot kann man sich beliebig viele Übungen erstellen lassen, und zwar passend zum gewünschten Thema. „Hallo ChatGPT, ich möchte die Zeichensetzung bei der direkten Rede trainieren. Stelle mir bitte eine Übung zusammen, erst einmal eine einfache!“: So ähnlich könnte ein Prompt für individuelles Lernmaterial aussehen. Und das Beste: Der Chatbot kann die ausgefüllte Übung anschließend sogar intelligent korrigieren – dazu mehr im nächsten Punkt.
Auch bestimmte Übungsformate kann man sich im Prompt wünschen: Lückentext, Multiple-Choice, „Richtig oder falsch“, „Finde den Fehler“ … alles, was der Bot als Text wiedergeben kann, ist möglich. Perfekt ist es, wenn man ohnehin eine Liste mit schwierigen Wörtern führt: Dann kann man sich vom Bot gezielt abfragen lassen.
Sogar als Quizmaster eignen sich ChatGPT und Co., wenn man sie darum bittet. Die beliebte Quiz-App „Kahoot!“ hat dafür sogar eine eingebaute KI, die aus vorgegebenem Material Quizze erstellt.
3. Korrigieren
Einige KI-Chatbots erlauben es, Dokumente hochzuladen. Das ist eine wunderbare Möglichkeit, die eigenen Texte und ausgefüllten Übungen intelligent überprüfen zu lassen. Wichtig ist dabei, dass die KI nicht einfach ein korrigiertes Dokument zurückschickt, sondern die Fehler markiert. Das passiert sinnvollerweise in drei Stufen:
- „Bitte markiere meine Fehler nur, ohne sie zu korrigieren“: Das gibt einem die Möglichkeit, selbst noch einmal zu überlegen, welches die richtige Antwort, das richtige Wort oder die passende Formulierung ist. Der zusätzliche Arbeitsschritt lohnt sich, weil die richtige Schreibweise besser im Kopf bleibt, wenn man sie selbst notiert. Anschließend das geänderte Dokument nochmals überprüfen lassen.
- „Bitte markiere die Fehler und nenne mir die richtige Lösung“: Das ist der richtige Prompt für Verzweifelte und bei hartnäckigen Fehlern, wenn man partout nicht auf die richtige Antwort kommt. Darauf sollte aber Stufe drei folgen:
- „Bitte korrigiere meine Fehler und erkläre mir die richtige Lösung“: Mit diesem Prompt wird aus einem Korrekturdurchgang eine echte Übungseinheit mit zusätzlichem Lerneffekt.
Ganz besonders wirksam ist es, sich anschließend eine individuelle Übung auf Basis der eigenen Fehler erstellen zu lassen. Dafür bittet man die KI, in den hochgeladenen Texten oder Übungen häufige Fehler zu finden, sie in einer Liste zu notieren und sich eine Übung oder Aufgabe zu überlegen, die genau diese Schwächen behandelt.
Wer (menschliche) Nachhilfe bekommt, kann so eine „Deine-typischen-Fehler-Liste“ außerdem nutzen, um mit der Nachhilfelehrkraft zusammen an den hartnäckigen Schwierigkeiten zu arbeiten. Die Lehrkraft ist auch ein guter Ansprechpartner, um die KI-generierten Übungen zu überprüfen. Immer im Kopf behalten: KI kann Fehler machen!
4. Besser werden
Auch für fortgeschrittene sprachliche Aufgaben eignet sich künstliche Intelligenz. Selbst Sprachprofis nutzen KI zum Beispiel, wenn sie Wortdopplungen vermeiden möchten oder ihnen gerade der richtige Begriff für etwas fehlt. Einfache Synonyme kann man googeln, Gemini zeigt sie dann direkt oben in den Suchergebnissen an. Microsoft-Office-Nutzer können auch direkt aus dem Programm heraus die KI Copilot nach Synonymen fragen.
Doch nicht immer gibt es ein passendes Synonym für einen Begriff. Für schwierigere Fälle lohnt es sich daher, der KI statt einzelner Wörter einen ganzen Satz oder sogar einen längeren Textabschnitt zu übergeben. Bots wie ChatGPT schlagen dann alternative Formulierungen oder Umschreibungen vor, die vielleicht besser passen. Sehr gut geeignet ist dafür auch die deutsche KI DeepL mit ihrem Schreibassistenten „DeepL Write“, der (nach Anmeldung) sogar ganze Dokumente überarbeitet.
Die von der KI vorgeschlagen Änderungen müssen allerdings nicht immer besser als das Original sein. Vor allem bei persönlichen Texten, die Gefühle, Meinungen und eine individuelle Ausdrucksweise transportieren sollen, klingt der selbst verfasste Text meist authentischer. Man kann eine KI zwar als Lektorin nutzen – aber noch nützlicher ist es, sie als Trainingspartnerin zu sehen, um die eigenen sprachlichen Fähigkeiten zu verbessern.
Um das zu erreichen, gibt es viele weitere Möglichkeiten. Mit ChatGPT und Co. kann man zum Beispiel über Songtexte reden, eine Debatte führen oder einen Battle-Rap starten. Und wer genug von Online-Kommunikation hat, lässt sich einfach spannendes Buch empfehlen. Fest steht: Wer KI nur als Mogelmaschine nutzt, verpasst das Beste!