Das Schulsystem in Hessen
Grundschule
- Einschulung in Hessen
- Fremdsprachen in der Grundschule
- Orientierungsarbeiten an den Grundschulen
- Übergang zur weiterführenden Schule
Weiterführende Schule
Stand der Informationen: August 2009.
Einschulung in Hessen
Alle Kinder, die bis zum 30. Juni sechs Jahre alt werden, werden am 1. August im Bundesland Hessen schulpflichtig. Kinder, die vom 1. Juli bis 31. Dezember sechs Jahre alt werden, können auf Antrag eingeschult werden – sie sind sogenannte Kann-Kinder. Die Entscheidung über die Einschulung trifft der Schulleiter. Sollte Ihr Kind den Anforderungen noch nicht gewachsen sein, kann es für ein Jahr vom Schulbesuch zurückgestellt werden. Dies entscheidet die Schulleitung in Zusammenarbeit mit dem Kindergarten oder einer Frühförderstelle. Ein Kind, das zurückgestellt wurde, kann eine Vorklasse besuchen, in der es
gefördert wird. In Hessen gibt es an circa 50 Grundschulen mit der Eingangsstufe, die die Jahrgangsstufe 1 ersetzt, eine Besonderheit. In diese Eingangsstufe werden Kinder aufgenommen, die bis zum 30. Juni das fünfte Lebensjahr vollenden. Sie werden dann innerhalb von zwei Jahren auf das Lernen in der Grundschule vorbereitet. Für sie dauert die Grundschule dann natürlich fünf Jahre. An die Eingangsstufe schließen sich die Klassen zwei bis vier an.
Bei der Anmeldung zur Schule werden die deutschen Sprachkenntnisse Ihres Kindes festgestellt.
Fremdsprachen in der Grundschule
In Hessen findet die Einführung einer Fremdsprache in der dritten Klasse statt. Die Entscheidung, welche Fremdsprache eingeführt wird, trifft die Gesamtkonferenz mit Zustimmung des Schulelternbeirats. Bei der Entscheidung ist die Frage der
Weiterführung der Fremdsprache in der Jahrgangsstufe 5 angemessen zu berücksichtigen. Die Leistungen im Fremdsprachenunterricht in der Grundschule werden bei der Versetzungsentscheidung nicht berücksichtigt.
Orientierungsarbeiten an den Grundschulen
Nach einer zweijährigen Pilotphase an 56 Grundschulen werden seit dem Schuljahr 2004/05 an allen hessischen Grundschulen im zweiten Halbjahr der 3. Jahrgangsstufe Orientierungsarbeiten geschrieben. Ziel ist es, individuelle Stärken und Schwächen einzelner Kinder festzustellen, um sie noch in der Grundschulzeit besser für die weitere Schullaufbahn fördern zu können.
Die Schülerinnen und Schüler erhalten einheitliche Aufgaben in den Fächern Deutsch und Mathematik. Die Arbeiten werden nicht benotet, den einzelnen Schulen werden aber die Ergebnisse, auch im Hinblick auf den Landesdurchschnitt, mitgeteilt. Die nächsten Orientierungsarbeiten im Schuljahr 2008/09 sollen im Zeitraum 06. Mai bis 15. Mai 2009 geschrieben werden.
Übergang zur weiterführenden Schule
In Hessen können Sie als Eltern den weiteren Bildungsgang Ihres Kindes wählen. Sie müssen bis zum 5. März einen schriftlichen Antrag an die Klassenleitung stellen, in dem Sie eine Schulform wählen, die dem gewählten Bildungsgang entspricht.
Wählen Sie die Hauptschule, die Förderstufe oder die schulformübergreifende Gesamtschule, leitet die Schulleitung der Grundschule den Antrag an die gewünschte Schule weiter. Bei der Wahl der Realschule, des Gymnasiums oder des entsprechenden Zweiges einer schulformbezogenen Gesamtschule, muss die Klassenkonferenz in ihrer
schriftlichen Stellungnahme eine entsprechende Empfehlung aussprechen.
Sie erhalten unverzüglich eine schriftliche Begründung und einen neuen Beratungstermin, falls sich die Klassenkonferenz nicht für den gewünschten Bildungsgang ausspricht. Halten Sie Ihre Entscheidung aufrecht, so teilen Sie dies bis zum 5. April der Grundschule mit. Ihre Entscheidung wird danach mit dem Aktenvermerk über die Beratung und der schriftlichen Begründung der Klassenkonferenz an die weiterführende Schule geleitet. Die Schulleitung der ausgewählten Schule hat die Verpflichtung, Sie intensiv zu beraten.
Die Hauptschule
Die Hauptschule vermittelt Allgemeinbildung, bereitet auf die Berufs- und Arbeitswelt vor und fördert die Schüler entsprechend ihren Leistungen und Neigungen. An der Hauptschule werden für die unterschiedlichen Leistungsniveaus der Schüler Förderkurse und Differenzierungsmaßnahmen im Fachunterricht eingerichtet, z. B. Englisch in unterschiedlichen Leistungsstufen.
Bei überdurchschnittlich guten Lernerfolgen besteht für Ihr Kind in jeder Jahrgangsstufe die Möglichkeit, an eine Realschule oder in einen entsprechenden Zweig der Gesamtschule zu wechseln.
Abschlüsse an der Hauptschule
Hauptschüler müssen in der 9. Klasse an Abschlussprüfungen teilnehmen. Das Abschlussverfahren besteht aus einer Projektprüfung und schriftlichen Prüfungen in Mathe, Deutsch und ggf. Englisch. Bei einer Gesamtleistung von 4,4 oder besser erhält Ihr Kind den Hauptschulabschluss; bei einer Gesamtleistung von mindestens 3,0 den qualifizierenden Hauptschulabschluss, bei zusätzlicher Erfüllung der Versetzungsbestimmungen.
Hat Ihr Kind den angestrebten Abschluss nicht erreicht,
besteht die Möglichkeit, die zuletzt besuchte Jahrgangsstufe ein Mal zu wiederholen und die Prüfung erneut abzulegen.
Für Schüler ohne Hauptschulabschluss gibt es spezielle Maßnahmen und Schulformen, in denen unter bestimmten Bedingungen der Hauptschulabschluss noch erreicht werden kann. Besteht keine Schulpflicht mehr, kann der Hauptschulabschluss auch in externen Prüfungen erreicht werden.
Besuchen Schüler mit qualifizierendem Hauptschulabschluss das 10. Hauptschuljahr, können sie den Mittleren Abschluss (Realschulabschluss) erreichen. Die Realschulabschlussprüfung besteht aus schriftlichen Prüfungen mit landesweit einheitlichen Aufgabenstellungen in den Fächern Deutsch, Mathematik und 1. Fremdsprache sowie aus einer Präsentation auf der Grundlage einer Hausarbeit oder einer mündlichen Prüfung. Die Prüfungsbedingungen sind mit denen der Realschule identisch.
Hat Ihr Kind den mittleren Abschluss erreicht, besteht bei entsprechender Eignung die Möglichkeit in die Fachoberschule, in ein berufliches Gymnasium oder in die gymnasiale Oberstufe zu wechseln.
Die Realschule
In Hessen gibt es selbstständige Realschulen, verbundene Grund-, Haupt- und Realschulen sowie Realschulzweige an kooperativen Gesamtschulen.
Der Unterricht ?ndet auf der Grundlage eigener Lehrpläne und einer realschulspezi?schen Stundentafel statt. Das breit angelegte Fächerspektrum mit dem Unterrichtsschwerpunkt Deutsch, Mathematik und 1. Fremdsprache quali?ziert die Schüler für die Anforderungen der Berufs- und Arbeitswelt und den Besuch einer weiterführenden Schule. Oft wird an Realschulen auch fächerübergreifend unterrichtet. Die Realschule bietet Ihrem Kind nach dem Erreichen des mittleren Bildungsabschlusses viele Möglichkeiten.
Bilinguales Bildungsangebot an Realschule
Seit 1995 gibt es an einigen Realschulen die Möglichkeiten des bilingualen Bildungsangebots. Der Sachfachunterricht zum Beispiel in Erdkunde oder Biologie findet zweisprachig statt. Die Kommunikationsfähigkeit und die beruflichen Chancen der Schüler werden dadurch erhöht.
Abschlüsse an der Realschule
Die Realschüler nehmen in der Klasse 10 an einem Abschlussverfahren teil. Die Prüfung zum Mittleren Abschluss (Realschulabschluss) besteht aus den
- zentralen Abschlussarbeiten in den Fächern Deutsch, Mathematik und erster Fremdsprache und
- einer Präsentation auf der Grundlage einer Hausarbeit oder einer mündlichen Prüfung in einem vierten Fach.
Ist die Gesamtleistung mindestens 4,4 und die Versetzungsbestimmung erfüllt, erhält Ihr Kind den Realschulabschluss. Bei der Gesamtleistung fließen auch die zuvor im zweiten Halbjahr erbrachten Unterrichtsleistungen mit ein. Sind alle Voraussetzungen erfüllt, erhalten die Schüler das Abschlusszeugnis der Realschule. Die Jahrgangsstufe 10 kann einmal wiederholt werden, um das Abschlussverfahren erneut zu durchlaufen.
Sind die Voraussetzungen abschließend nicht erfüllt, erhalten die Schüler ein Abgangszeugnis, das dem Hauptschulabschluss gleichgestellt ist.
Die Gesamtschule
In Hessen gibt es kooperative (schulformbezogene) und integrierte (schulformübergreifende) Gesamtschulen. In der schulformbezogenen Gesamtschule werden die Bildungsgänge der Hauptschule, der Realschule sowie die Mittelstufe des gymnasialen Bildungsgangs in einer Schule verbunden. Es können sowohl schulformbezogene Eingangsklassen gebildet werden als auch je - nach Eignung eines Schülers - schulformübergreifender Unterricht stattfinden.
In der schulformübergreifenden Gesamtschule wird das Bildungsangebot der in ihr zusammengefassten Schulform integriert und das Bildungsangebot der Mittelstufe (Sekundarstufe I) des gymnasialen Bildungsgangs auf die Jahrgangsstufen 5 bis 10 umgesetzt. Die Unterrichtsorganisation ermöglicht den Schülern, je nach Leistung Schwerpunkte zu bilden und Kurse mit unterschiedlichem Niveau zu belegen.
Das Gymnasium
Das Gymnasium baut als weiterführende Schulform auf der Grundschule auf. Es umfasst in der traditionellen Form die Mittelstufe (Sekundarstufe I) und die derzeitige Oberstufe (Sekundarstufe II). Am Gymnasium bekommt Ihr Kind eine vertiefte Allgemeinbildung vermittelt.
Seit dem Schuljahr 2005/06 wurde beginnend mit der Jahrgangsstufe 5 die Schulzeitverkürzung im gymnasialen Bildungsgang eingeführt. Seit dem 1. August 2008 ist das 11-Punkte-Programm von Staatsminister Jürgen Banzer zur Reduzierung der Belastungen im verkürzten gymnasialen Bildungsgang wirksam.
Wie wird das bisher neunjährige Gymnasium (G9) weitergeführt? Schüler in den höheren Klassen werden wie bisher das neunjährige Gymnasium (G9) durchlaufen. Hier gibt es keine Schulzeitverkürzung und keine Lehrplanänderungen. Das Abitur nach 13 Schuljahren wird letztmalig im Jahre 2013 abgelegt werden.
Was geschieht mit den bisherigen G8-„Turbo"-Klassen an einigen Schulen?
Die bisherigen G8-„Turbo"-Klassen werden weitergeführt und laufen danach aus. Neue Klassen werden nicht eingerichtet. An diesen Schulen wurde spätestens im Schuljahr 2006/07 für alle Schüler der fünften Klassen die „normale" G8-Schulzeit eingeführt.
Das zukünftige achtjährige Gymnasium (G8) ist nicht mit den G8-„Turbo"-Klassen vergleichbar. Diese Klassen waren für begabte, leistungsstarke Schüler gedacht, die nach der fünften Klasse die Mittelstufe verkürzt (Klasse 6 - 9) durchliefen. In dieser Zeit musste aber der komplette Stoff des Lehrplans der Klassen 6 - 10 durchgenommen werden. Im neuen G8-Gymnasium werden alle Schüler nach den gleichen überarbeiteten Lehrplänen für die Jahrgangsstufen 5 - 9 unterrichtet.

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