Mobbing in der Schule

Wer kennt sie nicht aus der eigenen Schulzeit – die kleinen Streitereien im Klassenzimmer, die harmlosen Konflikte in der Schule? Laufen die Angriffe von Mitschülern aber konsequent über einen längeren Zeitraum, spricht man von Mobbing. Und das ist keineswegs mehr harmlos.

Tatort Schule

 Gewalt und Mobbing in der Schule – ein Phänomen, das in den letzten Jahren immer öfter für negative Schlagzeilen sorgte. Doch was verbirgt sich hinter dem Begriff „Mobbing“ und welche Formen gibt es?

In der Regel spricht man von Mobbing, wenn Betroffene über einen langen Zeitraum und mindestens einmal in der Woche systematisch direkt oder indirekt angegriffen werden. Der Begriff stammt aus dem Englischen und bedeutet so viel wie anpöbeln, angreifen oder attackieren.

Mobbing unter Schülern ist eine böswillige Handlung, die einzig und allein das Ziel verfolgt, einen Mitschüler „fertig“ zu machen, ihn sozial auszugrenzen.

 

Hierbei unterscheidet man verschieden Arten:

  • Mobbing durch körperliche Gewalt:
    Verprügeln, Beschädigung von Gegenständen, Erpressung und Nötigung
  • Verbales Mobbing:
    Lästern, Auslachen, ungerechtfertigte Anschuldigungen, Verbreitung von Gerüchten, entnervtes Stöhnen von Mitschülern im Unterricht, wenn ein Schüler sich mehrfach vom Lehrer etwas erklären lässt
  • Stummes Mobbing:
    Mitschüler werden verachtet und links liegen gelassen, Ausschluss aus der Klassengemeinschaft

 

Jungen und Mädchen haben unterschiedliche Arten zu mobben. Während die Jungen eher zu einer aggressiven und offenen Art neigen, bevorzugen Mädchen eher eine indirekte Form: Gerüchte über Mitschüler verbreiten, Geheimnisse ausplaudern. Nicht selten werden die besten Freundinnen zum Opfer.

Die Ursachen von Mobbing

Konflikte im Schulalltag sind nicht nur normal, sondern auch notwendig. Bei unausgesprochenem Neid oder Ärger kann die Situation jedoch eskalieren. Die Täter brauchen ein „Ventil“, um ihrem Ärger Luft zu machen: ein Mobbing-Opfer.

Warum Schüler andere Schüler mobben, ist nicht einfach zu beantworten. Oft liegen unterschiedliche Auslöser zugrunde. Ein Neuer in der Klasse oder eine komplett neu zusammengestellte Klasse können zum Beispiel zur Entstehung von Mobbing beitragen. Auch das Verhältnis zwischen Lehrer und Schülern ist von großer Bedeutung. Herrscht in einer Klasse ein gutes Sozialklima, findet man nur selten Mobbing.

Immer häufiger tritt als Auslöser der „Mode-Faktor“ auf: Das Markenbewusstsein der Kinder steht immer mehr im Vordergrund. Tragen Tornister, Schuhe und Kleidungsstücke nicht bestimmte Namen, ist man „out“ und „uncool“. Ob die Eltern diesen Trend finanzieren können, ist den Mitschülern egal.

Ein typisches Mobbing-Opfer gibt es nicht – meistens sind Schüler betroffen, die in der Klasse eine schwache Position haben und sich durch ein oder mehrere Merkmale von der Klassengemeinschaft abheben: zum Beispiel durch einen Sprachfehler, einen anderen Sozialstatus oder durch eine äußere Auffälligkeit. Auch besonders Leistungsorientierte, die sogenannten „Streber“, werden oft zum Opfer.

Mobbing und seine Folgen

Die Folgen von Mobbing können unterschiedlich sein. Sie reichen von Bauchschmerzen, Bettnässen, Kopfschmerzen bis hin zu Albträumen, Angstattacken und Depressionen – im schlimmsten Fall zu Selbstmord. Häufig leiden gemobbte Schüler an Unkonzentriertheit, die schulischen Leistungen werden somit schwächer. Viele neigen dazu, den Unterricht zu schwänzen, da sie den Tätern aus dem Weg gehen und jede Konfrontation vermeiden wollen.

Betroffene Kinder suchen die Schuld bei sich, begeben sich mehr und mehr in eine soziale Isolation und vereinsamen.

Sie treffen sich nicht mehr mit Mitschülern und Freunden, gehen nicht mehr auf Geburtstage und verlieren irgendwann die Fähigkeit, sich offen anderen Menschen zu nähern.

Doch nicht nur die Opfer leiden an den Folgen – auch die Täter und sogar unbeteiligte Mitschüler. Die Täter steigern im Laufe des Mobbing-Prozesses ihre Aggressionen; die unbeteiligten Mitschüler leiden an ihrer neutralen Position. Sie haben keinen Mut, Lehrer oder Eltern über den Vorgang zu unterrichten – aus Angst, selbst Opfer zu werden.

Wird mein Kind gemobbt?

Eltern spüren in der Regel schnell, dass es ihrem Kind nicht gut geht. Schwieriger ist jedoch die Frage nach den Ursachen. Kopfschmerzen und Unlust auf Schule können z. B. darauf hinweisen, dass ihr Kind von Mitschülern gemobbt wird.

Diese Verhaltensweisen Ihres Kindes sollten Sie aufhorchen lassen:

  • Ihr Kind möchte nur noch in Begleitung zur Schule gehen.
  • Ihr Kind verlangt immer öfter, zur Schule gefahren zu werden.
  • Ihr Kind möchte nicht mehr am Sportunterricht teilnehmen.
  • Die schulischen Leistungen Ihres Kindes lassen nach.
    • Ihr Kind fängt plötzlich an zu stottern.
    • Ihr Kind zieht sich immer mehr zurück und trifft sich nicht mehr mit Schulkameraden.
    • Ihr Kind hat Albträume und/oder klagt über Beschwerden wie Kopfschmerzen, Bauchweh und Appetitlosigkeit.
    • Ihr Kind kommt mit Verletzungen aus der Schule nach Hause.
    • Ihr Kind kommt mit zerstörten oder fehlenden Sachen nach Hause.
    • Ihr Kind „verliert“ regelmäßig Geld.

Jetzt handeln!

Bemerken Sie eine oder mehrere dieser Verhaltensweisen bei Ihrem Kind, sollten Sie in einem gemeinsamen Gespräch herausfinden, ob in der Schule und im Umfeld Ihres Kindes alles in Ordnung ist. Gehen Sie dabei behutsam vor und fallen Sie nicht direkt mit der Tür ins Haus. Wenn sich Ihr Verdacht erhärtet, fragen Sie auch Klassenkameraden und befreundete Eltern nach deren Meinung. Sie sollten nicht lange warten, sondern handeln. Je länger Ihr Kind gemobbt wird, umso schwieriger wird es sein, eine Lösung zu finden.

Scheuen Sie sich nicht, mit dem Lehrer Kontakt aufzunehmen. Vereinbaren Sie einen Gesprächstermin ohne Ihr Kind und schildern Sie ihm sachlich die Situation. Vermeiden Sie es aber, dem Lehrer die Schuld zu geben. Entwerfen Sie gemeinsam eine Strategie, wie Ihrem Kind geholfen werden kann. Schlagen Sie dem Lehrer vor, Präventivmaßnahmen gegen Mobbing und Gewalt durchzuführen. An vielen Schulen gibt es bereits Projekte, die zu einer Verbesserung des Schulklimas beitragen sollen. Prüfen Sie nach einer Zeit, ob seitens des Lehrers etwas unternommen wurde. Ist dies nicht der Fall, wenden Sie sich an den Schulleiter.

So bitte nicht!

Wenn Ihr Kind Ihnen anvertraut, dass es in der Schule gemobbt wird, sollten Sie ihm zuhören und Vertrauen schenken. Vermeiden Sie es aber, dass das Thema zum Gesprächsthema Nr. 1 wird. Machen Sie Ihrem Kind weder Vorwürfe, noch weisen Sie ihm die Schuld zu. Schenken Sie seinen Aussagen Glauben und sichern Sie ihm jegliche Art von Hilfe und Unterstützung zu.

Setzen Sie sich bitte nicht mit den Eltern des Täters in Verbindung. Dies kann die Situation nur noch verschlimmern. Wenn die Eltern des Täters ihr Kind bestrafen, hat dies oft Auswirkungen auf das Opfer – der Täter rächt sich dafür an dem Opfer.

Auch mit dem Täter selbst sollten Sie keinen Kontakt aufnehmen. Dadurch schwächen Sie nur die Position Ihres Kindes. Täter und andere Mitschüler denken, Ihr Kind sei nicht in der Lage, sich allein zu wehren.

Wenn die genannten Maßnahmen keinerlei Erfolg versprechen, suchen Sie eine qualifizierte Beratungsstelle auf, z. B. die schulpsychologische Beratungsstelle Ihres Bundeslandes. Auch der Kontakt zu anderen betroffenen Eltern ist hilfreich. Außerdem finden Sie unter www.schueler-mobbing.de interessante Artikel und Tipps zum Thema Mobbing.

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